Ein altes Buch hat beim Ausmisten in meinem Arbeitszimmer meine Neugier geweckt: Handbuch Selbstorganisiertes Lernen. Geschrieben 1996 bzw. in der 2. Aufl. von 1998 von Siegfried Greif und Hans-Jürgen Kurtz. Worum geht es da? Credo ist Fachwissen plus Methodenkompetenz (Greif, Kurtz, 1998, S. 7).
Interessant ist: „Selbstorganisiertes Lernen ist schlank, flexibel und kostengünstig (Greif, Kurtz, 1998, S. 13). Stimmt das? Mal abgesehen davon, dass mehrtägige Präsenzveranstaltung derzeit pandemiebedingt ausfallen… Was kostet es, sich weiterzubilden? Und was bringt es? Aus welchem Grund hast du dein Fernstudium gestartet? Wo möchtest du hin? Was möchtest du erreichen?
Freimuth und Hoets (1998, S. 77ff in Greif, Kurtz, Handbuch Selbstorganisiertes Lernen) schreiben über Arbeitsplanung. Sie definieren damit einen ideellen Entwurf, um ein Ziel zu erreichen. Ob nun bekannte Arbeitsabläufe routiniert durchlaufen oder neue Aufgaben eine Herausforderung sind, die SMART-Formel zu Zielerreichung hilft, Ziele zu definieren, die in kleinen Schritten erreichbar werden. Doch SMART ist mir noch nicht genug.
Bist du Smart unterwegs? Ich meine damit nicht diesen bestimmten Kleinwagen, in denen entweder zwei Personen und zwei Kisten Getränke oder vier Personen und ein kleiner Einkauf hineinpassen. Wenn ich von Smart fahren schreibe dann meine ich damit, ob mit deinen Zielen und Plänen so konkret unterwegs bist, sie schriftlich formuliert und ich dich nachts wecken kann, damit du sie mir Form beten kannst.
SPEZIFISCH also. Kannst du? Nun gut. Stellen wir das mal auf die Probe und messen ist. Woran erkenne ich, dass du dein Ziel erreicht hast? Nein, kein Ausflug ins NLP und auch keine Vorbereitung auf die Fragebogenerstellung im Modul Statistik. O. K., ein paar Punkte habe ich mir natürlich dort abgespickt. Hast du dich schon mal mit qualitativen bzw. quantitativen Methoden der Befragung befasst? Falls nein, hier eine kurze Einführung: auf einer Skala von 1-10, wie geht es dir gerade? Quantitativ.
Qualitativ bedeutet für mich, dass ich genau hinterfragen, was konkret du zum Beispiel damit meinst, wenn du antwortest. Das ist dir heute schon besser geht als gestern und du mit 3-4 auf der Skala von 1-10 antwortest. Also messbar. 3-4 von zehn. Aber was konkret bedeutet besser? Wie lässt sich besser spezifizieren und auch MESSEN?
Welche Motivation hast du, das ist dir „besser“geht? Ist das Erreichen des Ziels für dich erstrebenswert? Lohnt es sich? Oder wollen es eher andere, dass du dieses Ziel erreichst? Wie machst du einem Kunden schmackhaft, dass er beide kaufen sollte? Leckere Rezepte, die Appetit machen? Dein paar Häppchen zum kosten? Wie ATTRAKTIV?
Jetzt aber mal REALISTISCH: wie wahrscheinlich ist es, dass du deine hochgesteckten Ziele im Fernstudium erreichen kannst? Neben deinem Job, neben deinem Privatleben, innerhalb der Regelstudienzeit bzw. der kostenfreien Verlängerungszeit? Hand aufs Herz: Weg mit dem Perfektionismus, hinzu Vilfredo Paretos 80:20 Regel. Was bedeutet das?
Mit nur 20 % des Aufwands 80 % des Ziels erreichen.
Für mich ist mein Studium die schönste Nebensache in meinem Leben. Wie definiere ich ein schönes Leben? Was ist für mich Nebensache? Was sind die Hauptbestandteile meines Lebens? Kommen wir also zum Thema ZEIT: also Termine und Fristen setzen. Welches Modul habe ich bis wann abgeschlossen?
Wann melde ich mich zur Prüfung an? Wann schicke ich die Einsendeaufgabe ab?
SMART ist mir zu wenig. Zu klein, zu nüchtern und nur auf mich bezogen egoistisch? Vielleicht. Mag sein. Zumindest bleibt wenig Raum für Vielfalt. Also erweitere ich den Kleinwagen um einen Anhänger, um handlungsfähiger zu sein.
ACT steht einerseits für handeln und tun.
ACT steht aber auch für:
Wie sieht ein Arbeitsablauf im Rahmen eines Fernstudiums aus? Eine einzelne Aufgabe es zu lösen. Dafür habe ich beispielsweise diverse Literatur recherchiert und sie aus der Unibibliothek ausgeliehen. Wie gehe ich mit der Masse an Büchern um, die ich nach Hause geschleppt habe? Ich persönlich habe für entliehene Bücher aus der Bibliothek ein schmales Regal im Wohnzimmer. Früher war es mein nur ein Regalboden. Doch seit Beginn des Fernstudiums hat sich das geändert. Die Menge an Literatur ist größer und das Spektrum an Themen ist breiter, aber auch tiefergehend und anspruchsvoller geworden. Damit ich diese Flut von Wissen bewältige, benutze ich das Literaturverwaltungsprogramm Citavi.
Für andere Betriebssysteme neben Windows gibt es Alternativen. Wie hilft mir eine Literaturverwaltungssoftware beim selbstorganisierten Lernen? Ich spare viel Zeit, da ich weniger suche. Hilfreich ist für mich dabei ein Formular, was sich entwickelt habe.“ Meine Frage an das Buch.“ Ich habe es als Download als Begleitmaterial zu meinem Erstlingswerk zur Verfügung gestellt.
Dieser Zettel hilft mir mich zu orientieren, wofür ich ein Buch ausgeliehen habe, was mir daraus wichtig ist und vor allem auch, wo ich den Titel gegebenenfalls mit ein paar gescannten Seiten ablegen, die ich in Einsendeaufgaben zitiere. Spätestens bei der Erstellung des Literaturverzeichnis kommt mir diese strukturierte, selbstorganisierte Arbeitsweise zu.
Was ist wichtig? Ich bin nicht nur zu faul zum suchen, sondern indem ich Chaos vermeide, lieber finde als suche, fällt mir das Arbeiten an einem leeren Schreibtisch deutlich leichter. Also lege ich den Zettel vorne in das Buch, das ich gerade lese, bis ich es abschließend bearbeitet habe und dann wieder zurückbringe. Und dann? Wichtige Aussagen der Quellen speichere ich in Citavi als Wissenselemente, wie zum Beispiel als direktes, indirektes oder Bildzitat. Sinnvoll kann auch eine Zusammenfassung sein. Vielleicht denkst du jetzt, wozu dieser ganze Aufwand? Auch noch eine weitere Software nicht nur installieren, sondern auch deren Handhabung von Grund auf erlernen? Dazu Zitationsstile berücksichtigen und eine Entscheidung zugunsten bzw. gegen die Cloud-Version treffen.
Kommen wir zurück auf die Selbstoptimierung. Für mich hat sich der Einsatz eines Literaturverwaltungsprogramms zügig gelohnt, auch wenn ich am Anfang lange gebraucht habe mich zurechtzufinden. Hilfreich waren Onlinetutorien als, ein Newsletter von Citavi bzw. im fortgeschrittenen Stadium ein intensiver Kurs in meiner Unibibliothek vor Ort. Der hat mir sehr gut geholfen. Selbstoptimiertes Lernen ist somit für mich ein Aspekt von Selbstoptimierung, weil ich so auf Dauer eine Menge Zeit spare, deutlich mehr finde als ich suchen muss und ich mich mittel- und langfristig gesehen ein enormes Potenzial der Einsparung von Zeit habe.
In diesem Sinne, rannen an den Frühjahrsputz im heimischen Arbeits- bzw. Studierzimmer. Viel Erfolg dabei. Wem die Tipps nicht reichen, kann sich über mein Kontaktformular bei mir melden. Ich informiere dich gerne über Möglichkeiten eines persönlichen Onlinecoachings.
©️ Stefanie Lehmann | handmade with💚 by netfellows